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Nadeln – Q & A



Im letzten Blogeintrag ging es um Nadeln ganz generell. In diesem Eintrag geht's um Details und unterschiedliche Nadelsorten. Es könnte etwas länger werden, also rüste dich mit einem Heißgetränk aus und mach's dir gemütlich!


In den meisten Fragen, die ich zum Thema Nadeln bekomme, geht es darum, was Namen, Größen, Sorten überhaupt bedeuten, und auf der ganz praktischen Seite darum, welche Nadeln wofür am besten geeignet sind.


Also - Variablen

Es gibt ganz grundsätzliche Variablen, die bestimmen, welche Eigenschaften eine Nadel hat:

- Form der Spitze: ist sie spitz, stumpf, rund, dreieckig, …

- Nadelöhr: Größe und Form des Nadelöhrs

- Durchmesser: wie dick ist die Nadel?

- Länge: ist klar, oder?

- Flex: wie biegsam oder steif ist die Nadel

Die Kombination dieser Variablen bestimmt, wofür die Nadel am besten geeignet ist.


Nadelgößen

Normalerweise ist irgendwo auf der Verpackung eine Größenangabe. Im Normalfall (natürlich gibt's einige wenige Ausnahmen) bedeutet eine höhere Nummer eine dünnere, kürzere Nadel. Bitte fragt mich nicht, warum das so ist, ich habe keine Ahnung. Wenn das jemand weiß – bitte erklärt mir den Grund!

Eine Nadel mit der Größe #9 ist also kürzer und dünner als eine Nadel mit der Größe #7 von der selben Nadelsorte. Allerdings sind diese Größen nicht absolut, eine #7 Nähnadeln hat also nicht die selben Abmessungen wie eine #7 Quilting Nadel, und eine Nähnadel der Größe #7 vom einen Hersteller hat nicht die exakt selben Abmessungen wie eine Nähnadel #7 von einem anderen Hersteller.


Nadelsorten

Meistens verrät der Name der Nadeln schon, wofür sie gemacht sind. Hier sind ein paar Klassiker aufgezählt und erklärt. Ich gebe auch immer die englische Bezeichnung mit dazu an.


Nähnadeln (Sharps): das sind die klassischen Allround-Nähnadeln, eignen sich gut zum Handnähen. Sie haben ein kleines Öhr und eine spitze Spitze.


Hutmachernadeln (Milliners oder Straws): Sie waren original wirklich Hutmachernadeln (sind sie auch heute noch), eignen sich auch gut zum Handnähen und für dekorative Stiche. Sie sind Nähnadeln ähnlich, was das kleine Öhr und die scharfe Spitze angeht, aber etwas länger.


Quilting Nadeln (Betweens): Wie der Name schon sagt, sind diese Nadeln speziell für's Handquilten gemacht. Da sie kürzer sind als Nähnadeln, kann mit ihnen schneller gearbeitet werden und kürzere Stiche erzeugt werden. Sie sind dünn, mit einem kleinen Öhr und funktionieren am besten für die klassische Handquilting Technik, bei der durch eine Auf- und Abbewegung des Fingers gleich mehrere Stiche auf einmal gemacht werden. Du kannst sie auch zum Handnähen verwenden, wenn du gerne mit kurzen Nadeln arbeitest, oder für sehr feine Stoffe. Meistens sind sie auch ziemlich flexibel.


Sticknadeln mit Spitze (Embroidery oder Crewel Needles): Sie haben ein größeres, längliches Öhr und scharfe Spitzen; ihre Länge, Durchmesser und Spitzen sind ähnlich wie bei Nähnadeln. Durch das längliche, größere Öhr passen dickere Stickgarne besser durch. Sie passen gut für dichte oder sehr feine Stoffe und Stickereiarten, bei denen die Stiche nicht gezählt werden. Die Spitzen können die Fasern des Stickstoffes durchstechen.


Kreuzstichnadeln, Sticknadeln ohne Spitze (Tapestry oder Cross Stitch Needles): Sie haben ein längliches, ovales Öhr zum leichteren Einfädeln von Stickgarnen mit mehreren Fäden und eine abgestumpfte Spitze. Bei guten Nadeln ist die Spitze trotzdem geformt, nicht einfach nur eine abgezwickte, grade Fläche. Sie eignen sich gut für Kreuzstich, wie der Name schon sagt, oder für andere gezählte Stickarten. Die abgerundeten Spitzen gleiten gut zwischen den Webfäden des Stickgrundes hindurch und finden die Löcher von Aida, Stickleinen, etc. fast von selber, ohne die Fasern zu durchstechen. So ermöglichen sie flüssiges, leichtes Arbeiten.


Chenille Nadeln: Sie sind in ihren Abmessungen den Kreuzstichnadeln sehr ähnlich, haben aber eine spitze Spitze. So können sie leichter durch dichte oder grobe Stoffe stechen. Die großen Nadelöhre sind auch praktisch für Bändchenstickerei.


Stopfnadeln (Darners): Sie sind lang und dünn mit großem Öhr; die größeren Größen eignen sich gut für dickere Wollstrickstücke und dickere Garne. Außerdem sind sie meistens ziemlich biegsam.


Sashiko Nadeln: Diese Nadeln sind etwas dicker, mit Flex, ziemlich kleinem Öhr und im optimalsten Fall sehr, sehr scharfen Spitzen. Es gibt sie in kürzeren und längeren Größen. Ursprünglich sind sie dafür gedacht, viele Stiche auf einmal aufzunehmen, deswegen auch die Länge. Sie eignen sich außerdem super für das Arbeiten mit Denim. Die scharfen Spitzen haben überhaupt keine Probleme, den Jeansstoff zu durchstechen und machen das so gut wie sonst keine Nadel, die ich bis jetzt ausprobiert habe.


Webernadeln: Nadeln mit einer aufgesetzten Kugel als Spitze. Eigentlich werden sie von Weber*innen verwendet, um gerissene Fäden einzuarbeiten oder fertige Stücke zu versäubern. Sie sind durch die Kugelspitze außerdem perfekt dazu geeignet, Strickstücke zu reparieren oder auf Strick zu Sticken, weil die Kugelspitze verlässlich in die Maschen gleitet anstatt das Garn zu durchstechen.


Ledernadeln (Glovers): Die Spitzen von Ledernadeln haben einen dreickigen Durchmesser; die drei Seiten sind jeweils noch angeschliffen, sodass die Nadel sich durch das Leder schneiden kann. Sie eignen sich auch gut für Kunststoffe, Vinyl, Kunstleder, etc.


Sattlernadeln (Saddler Harness Needles): Haben eine halbkugelig abgerundete Spitze für schon vorgestochene Löcher.


Perlnadeln (Beading Needles): Sehr, sehr dünne Nadeln für das Auffädeln von Perlen oder das Annähen von Perlen oder Pailetten. Die kürzeren Versionen sind für Perlenstickerei geeignet.


Es gibt natürlich noch weitaus mehr Nadelsorten für unterschiedlichste Handwerke, wie zum Beispiel Segelmachernadeln, Buchbindernadeln, Matrazennadeln, Polsterernadeln, Nadeln um Getreidesäcke zuzunähen, Quilt Basting Nadeln, Appliquénadeln, Nadeln für das Nähen von Seide, spezialisierte Stopfnadeln für unterschiedliche Gewebe, gekrümmte Nadeln für Teppiche, … Meistens gibt da der Name den Hinweis, was diese Nadeln besonders gut können.


Als erster Versuch für die passende Nadel geht eigentlich immer, sich mal nach dem Namen zu richten, drauf zu achten, was gut klappt und was nicht, und was anders sein müsste. Manchmal hilft es auch, sich die Variablen einzeln vorzunehmen; zum Beispiel quilte ich meistens mit dickeren Garnen, deswegen kann ich die eigentlichen Quiltnadeln nicht verwenden, weil die Garne nicht durch die winzigen Öhre passen. Das heißt, ich brauche eine Nadel mit kleinem Durchmesser, kleinem Öhr, einer scharfen Spitze, aber das Öhr muss eben ein kleines bisschen größer sein - auf diese Beschreibung passt dann eine Nähnadel #7, und die tut ihren Job gut, und genau die verwende ich auch viel zum Quilten.


Sashiko Nadeln für Jeans sind auch so ein Beispiel. Bei mehreren Lagen Jeansstoff brauche ich eine Nadel, die ein bisschen dicker ist, dass sie nicht gleich bricht, genug Flex mitbringt, aber trotzdem steif genug ist, mit einer sehr scharfen Spitze, dass sie es durch den dicken Stoff schafft - all das vereint eine Sashikonadel in sich.


Und was ich immer empfehle - durchprobieren. Durchprobieren und registrieren, was sich gut anfühlt, damit du über die Zeit ein Gefühl dafür entwickelst, was deine Finger mögen und was gut zu deiner Arbeit und deinem Stil passt. Sogesehen gibt's da kein richtig oder falsch, aber es hilft zu wissen, wonach du suchst.


Ein paar Tricks und Tips:

- Für generelle Handnähbedürfnisse passt es meistens, eine Packung mit unterschiedlichen Größen an Nähnadeln daheim zu haben. Damit bist du für die meisten Anforderungen gerüstet. Im Fall des Falles lassen sie sich auch zum Sticken hernehmen, Quilten geht gundsätzlich auch, sie nähen Säume, Nähte, viele unterschiedliche Stoffqualitäten, Knöpfe an und Risse zu. Gute Allround Packung; die habe ich quasi non-stop in Verwendung.

- Mit Jersey oder feinen Strickstoffen drauf achten, dass die Nadel keine spitze Spitze hat bzw. noch besser eine Kugelspitze. Eine abgerundete Spitze führt die Nadel in die Zwischenräume zwischen den Maschen, eine spitze Nadel steckt in den Fäden fest und macht das Arbeiten sehr unangenehm bzw. produziert ungewollte Löcher.

- Such eine gute Passung zwischen der Größe des Nadelöhrs und deines Fadens. Größere Öhre sind zwar leichter einzufädeln, aber ein zu größes Öhr mit zu dünnem Faden fädelt sich sehr leicht wieder aus und macht das Arbeiten sehr ungeschmeidig. Ich empfehle, Einfädeln zu lernen und zu üben (das Nadelöhr geht über den Faden, nicht der Faden ins Öhr), anstatt auf zu große Nadelöhre auszuweichen.

- Beim Handnhähen habe ich schon oft beobachtet, dass die ersten Stiche mit etwas größeren Nadeln einfacher sind, zb. mit #7 Nähnadeln. Sobald sich da ein Rhythmus eingestellt hat, undbedingt eine kleinere Nadel probieren, zB, #9 - oft geht das Nähen dann einfacher und schneller, auch wenn die Nadel am Anfang sehr winzig wirkt.

- Nimm für die härtesten Jobs die besten (geeigneten) Nadeln. Schlecht gemachte Nadeln sind der Aufgabe meistens nicht gewachsen, und die guten Nadeln werden den Job erledigen und überleben. Neulich habe ich ein Stück von Hand gefüttert, wo ich an manchen Stellen 4 Lagen Baumwolle und 4 Lagen altes, dichtes Leinen übereinander liegen hatte, also 8 Lagen im Ganzen. Meine treue Tulip Nähnadel hat das 1A erledigt.


Das waren mal die wichtigsten Dinge, die ich aus Euren Fragen beantworten wollte. Ich hoffe, ich habe die Konfusion etwas gelichtet und euch dazu ermutigt, im Fall des Falles auch einfach mal zu probieren.


Wenn noch Fragen offen sind, oder neue auftauchen, meldet euch - ich helfe immer gerne dabei, eine passende Nadel zu finden.

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